ad absurdum
22Feb/090

Der Opel Corsa, die ZDS und die Frage nach dem Geruch

 

“Irgendwie riecht es in meinem Auto komisch,” sagte mein Kollege mit dem ich in die Berufsschule fuhr. Zwei bis dreimal im Jahr mussten wir, da dort die einzige Schule ihre Zelte aufgeschlagen hatte, an der der Beruf Fachkraft für Süsswarentechnik unterrichtet wurde, in das schöne Städtchen Solingen fahren. ZDS hiess sie offiziell. Zentralfachschule der deutschen  Süsswarenindustrie. Wir hatten einige andere Definitionen jener Abkürzung, welche uns treffender erschienen.

So fuhren wir also, meist am frühen Vormittag, los, um uns einige Wochen schulen, unterrichten und prüfen zu lassen. Selbstverständlich unternimmt man eine solche Fahrt nicht, ohne eine ausreichende Menge an Proviant in Form von belegten Broten, Getränken und Zigaretten eingepackt zu haben. Wir unterhielten uns, hörten Musik und rauchten eine Zigarette nach der anderen um uns die Fahrzeit so kurzweilig wie nur irgend möglich zu gestallten. Zur damaligen Zeit fuhr mein Kollege noch einen alten Opel Corsa. Ein echtes Spassmobil, bei dem es einfacher war, jene Teile aufzuzählen, welche nicht defekt waren. Bei 200 km/h sollte das eigentlich bedenklich sein. Uns war es jedoch egal. Irgendwann kam er allerdings auf die Idee sich ein neues, schöneres und sichereres Auto zu kaufen, das er auch prompt mit einem Rauchverbot belegte. Allerdings nur für die erste Fahrt. Dann bemerkte er, das das ewige anhalten unsere Reisezeit doch erheblich verlängerte und auch ein wenig unangenehmer gestaltete.

“Irgendwie riecht es in meinem Auto komisch.” Diesen Satz sprach er aus, nachdem wir schon einige Tage in Solingen weilten. Er hatte recht. Seit der Hinfahrt entwickelte sich ein äusserst ungewöhnlicher Geruch im Innenraum des Wagens, der auf eine irritierende Art und Weise an Verwesung erinnerte. Aber was sollte den in einem Auto gestorben sein? Der unbeliebte Zimmernachbar mag es wohl kaum gewesen sein. Platzmangel.

Wir stellten die Karre auf den Kopf, immer und immer wieder. Gebracht hatte es nichts. Die Sonne brannte auf das Auto, und der Geruch Gestank wurde immer schlimmer. Duftbäumchen wurden aufgehangen. Viel brachte es nicht, machte die Rückfahrt (drei Wochen später) aber ein klein wenig erträglicher.

Einige Tage, nachdem wir wieder Zuhause waren, erfuhr ich dann, das sich wohl ein Teil des Proviants (ein Schnitzelbrötchen um genau zu sein) in den letzten Winkel, ganz tief unter den Fahrersitz geflüchtet hatte um dem Verzehr, sowie der Entdeckung, und somit auch der Entsorgung, zu entgehen und uns mit seinem Geruch an seine Überlegenheit zu erinnern.

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